Rehabilitation motorischer Störungen nach Schlaganfall

 

Kortikale Reorganisation nach Rehabilitation motorischer Störungen bei chronischen Schlaganfallpatienten

 

Antragsteller: Professor Dr. Wolfgang Miltner, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie

DFG-Förderungvon 2001 bis 2008

 

Die hier beantragte Studie hat zum Ziel, die Wirkung dieser Therapiemethode für die Behandlung chronisch motorischer Störungen nach Schlaganfall zu überprüfen und zu untersuchen, ob die Verbesserung motorischer Arm-, Hand- und Fingerfunktionen der vom Schlaganfall betroffenen Körperseite mit einer neuronalen Reorganisation motorischer Hirnareale einhergeht. Im Unterschied zu unseren früheren Untersuchungen, bei denen die Therapie gegen eine unbehandelte Vorperiode abgetestet wurde, soll diese neuartige Therapie (CI-Therapie) nun im Cross-Over-Design gegen eine Sprachtherapie gleicher therapeutischer Intensität und Dauer an Schlaganfallpatienten mit einer mindestens 6 monatigen motorischen Hemiparese und Aphasie evaluiert werden.

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte die Wirkung eines lernpsychologischen Trainingsprogramms zur Verbesserung motorischer Arm- und Handfunktionen nach Schlaganfall und die damit einhergehende Reorganisation kortikaler motorischer Strukturen. Das Trainingsverfahren beruht auf der von uns in den vergangenen Jahren intensiv evaluierten sog. CI-Therapie (Constraint-Induced Movement Therapy), die eine neue Vorgehensweise für die Behandlung von Schlaganfallpatienten darstellt, die in unseren bisherigen Studien vor allem bei motorischen Störungen des vom Schlaganfall betroffenen Ober- und Unterarmes und der hemiparetisehen Hand und Finger evaluiert und angewendet wurde. Die therapeutischen Prinzipien beruhen auf ausgedehnten tierexperimentellen Studien und gehen davon aus, daß wesentliche Anteile der zu beobachtenden motorischen Funktionsbehinderung bzw. Funktionseinschränkung im Kontext lerntheoretischer Überlegungen der sogenannten operanten oder instrumentellen Konditionierung als erworbene bzw. konditionierte Unterdrückung („Learned Nonuse") von Verhalten interpretiert werden können. Diese gelernte Behinderung motorischer Funktionen scheint einen universellen Mechanismus darzustellen, der nach Schädigung des ZNS neben den organischen Ursachen bei zahlreichen Patienten zu einer Verstärkung des Funktionsverlustes beitragen kann. In den verschiedenen Projektphasen wurde die Wirkung dieser Therapiemethode für die Behandlung chronisch motorischer Störungen nach Schlaganfall systematisch an chronischen Schlaganfallpatienten überprüft und untersucht, ob die Verbesserung motorischer Arm-, Hand- und Fingerfunktionen der vom Schlaganfall betroffenen Körperseite mit einer neuronalen Reorganisation motorischer Hirnareale einhergeht. Zur Untersuchung therapie-induzierter kortikaler Reorganisationsvorgänge wurden funktionelle MRT-Untersuchungen und Untersuchungen sog. hirnelektrischer Bereitschaftspotentiale in Vorbereitung und während der Ausführung ausgewählter Bewegungen vor und nach der Therapie sowie 6 Monate später durchgeführt, mit deren Hilfe die neuronalen Strukturen bei der Vorbereitung, Ausführung und Kontrolle motorischer Funktionen der betroffenen Hand erfaßt werden. Wie die Ergebnisse zeigen, führt diese Therapie bei Patienten, die durchschnittlich 5.1. Jahre nach ihrem Schlaganfall mit dieser Methode behandelt wurden, zu einer hochsignifikanten Verbesserung der motorischen Funktion der trainierten hemiparetischen oberen Extremität. Diese Verbesserung der Funktion und Qualität der Bewegung geht mit deutlichen Reorganisationsvorgängen in sensomotorischen Hirnstrukturen einher. Bei der Ausführung von Testbewegungen mit der vom Schlaganfall betroffenen Extremität kommt es zu einer verstärkten Aktivierung sensomotischer Hirnstrukturen auf der vom Schlaganfall nicht betroffenen Hirnhälfte und zu einer erhöhten neuronale Aktivität in den sensomotorischen Hirnregionen beider Hemisphären, wenn Patienten ihre hemiparetische Hand gegen das Handgelenk abwinkeln. Die Studien belegen damit den großen klinischen Wert dieses Therapieansatzes und zeigen, daß auch Jahre nach einem Schlaganfall massive Verhaltensänderungen in den von Schlaganfall betroffenen Körperstrukturen erzielt werden können. Ein wesentlicher Anteil an diesen Effekten haben kortikale Reorganisationsvorgänge. Hinweise auf mögliche Erfolgsberichte in den Publikumsmedien: Über die Studien wurde in folgenden Presseorganen berichtet; Tagesschau der ARD, Gesundheitsmagazin des ZDF, Radio Berlin Brandenburg, Mitteldeutscher Rundfunk, Arte, 3 Sät, Bild-Zeitung, New York Times, Der Spiegel und in etwa 30 regionalen Tageszeitungen, Schlaganfall-Magazin der Deutschen Schlaganfallhilfe, Psychological Monitor der American Psychological Association.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

Bauder, H., Taub, E., & Miltner, W. H. R.(2001). Behandlung motorischer Störungen nach Schlaganfall. Die Taubsche Bewegungsinduktionstherapie. Göttingen: Hogrefe

Dilger, S., Schubert, K., & Miltner, W. H. R. (2006). Die Rolle der Verstärkung bei der Aufrechterhaltung und der Reduktion chronisch aphasischer Symptomatik: Erste  Evaluationsergebnisse der neuen Jenaer Sprachinduktionstherapie. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 71, 83-92

Richter, M., Miltner, W. H. R., & Straube, T.(2008). Association between therapy outcome and right-hemispheric activation in chronic aphasia. Brain, Brain Advance Access Online Publication March 18, 2008